Freitag, 6. Mai 2011

Windy Welli

Daß ich das noch erleben durfte! Männer die an Bushaltestellen stehen und die Armani Anzugshosen nur so im Wind flattern. Gegen den Sturm gelehnt gehend kam mir eine Reklametafel den Gehsteig entgegen gerutscht. Es gibt ihn also doch.
Als ganz junge Reisende in den Vogesen, bei einem in exzellenten Abendessen in einem kleinen Hüttchen ohne Strom, habe ich meinen ersten Pinot Noir getrunken und lieben gelernt. Rund um Martinborough im Wairarapa Land in der Nähe von Welli wird diese Rebe in Weltklasse angebaut. Wenn schon eine Weinverkostungstour dann hier. Morgens mit dem Zug nach Featherston und dort werden wir, Mutter und Tochter aus Hongkong von Pamela abgeholt und chauffiert. Wir besuchen vier verschiedene Wineries und probieren jeweils „einige“ der dort produzierten Sorten. Auch der Sauvignon Blanc ist mittlerweile hervorragend, den ich ja schon in der Malborough Region probiert habe. Die Ernte ist gerade eingebracht, Schafe grasen zwischen den abgeernteten Reihen und die Produktion ist in vollen Zügen. Aus Angst vor Parasiten dürfen wir weder in die Weinberge und nur bedingt in die Weinkeller. Den Weinkrankheiten versucht man in dieser Monokultur traditionell mit Spritzen entgegen zu steuern. Die Biowein Erzeuger bekommen wahrscheinlich unfreiwillig zuviel ab. Auch die Singvögel werden durch Vlies daran gehindert die Samen aus den Beeren zu picken. Bussarde und Falken werden hofiert um die kleineren Vögel zu reduzieren. In Europa hat man diese Schädlinge einfach aufgegessen z.B. Weinbergschnecken und Drosselpastete. Der Wein wächst im ehemaligen Flußbett oder in erdbebenmäßig angehobenen Meeresboden und die unterschiedlichen Minerale machen das Aroma. Das erste Mal wird hier auch in Hügellage angebaut. Die kleineren Erzeuger setzen noch auf Korken, statt dem üblichen Schraubverschluß oder Plastik, und die Abfüllanlagen kommen aus Italien. Viele die ihr Önologie Studium in Geisenheim in Deutschland absolviert haben, fanden hier den richtigen Boden. Fam. Schubert aus Waiblingen und Christine Schubert bei der Verköstigung erzählt auch über die Entstehung. Einen vollen Maischepott mit den Beeren darf ich sehen, ein Glas gepreßter Saft noch vor dem „Federweißen“ Stadium heimlich vom Kellermeister probieren. 2011 wird eine gute Ernte, die Öchslegrade sind perfekt. Es wird mit Süßweinen experimentiert und Eiswein durch einfrieren der Beeren erzeugt. Auch hier ist die Frostbekämpfung mit Helikopter, Vliesen oder Wasser üblich. Die Eichenfässer kommen aus Frankreich, was für ein Aufwand auf der anderen Seite der Erde zu produzieren. Wir bekommen eine mediterrane „Platter“ zum Lunch mit allem was von dort kam und mittlerweile perfekt hier produziert wird. Oliven, Feta, Feigen, Champignons, sonnengetrocknete Tomaten, Auberginen, Salami, Schinken, Lachs, Humus  und selbstgebackenes Sauerteig Brot das zwar nicht Wattebausch aber solala ist. Und Feijoas das sind Guaven ähnliche leckere grüne Früchte. Auf der Käseplatte fehlt nicht die Quittenpaste die traditionell dazu gegessen wird. Das Rezept dazu ist schon notiert und es gibt Cracker statt Brot, vermutlich ist selbst für Kiwis zu diesem leckeren, würzigen Käse das Brot ungenießbar. Ich bin gut drauf, aber nicht knülle.

Das Embassy ist ein Mega Kino aus den 20igern und technisch wegen LOTR und anderer Filme auf high tech getrimmt ohne den alten Charme zu zerstören. Spiegelserien, im doppelt geschwungenen Treppenaufgang, Kristalllüster, altes glänzendes Holz und schöne Fliesen. Ein Damen Charité Abend mit erhöhtem Eintritt, dafür wird ein Glas Bubbly serviert. Bubbly ist ein Frizzante zwischen Wein und Prosecco und grad groß in Mode. Eine Einkaufstasche (hier sind Plastiktüten auch verpönt aber statt der Stoffbeutel werden größere Vliestaschen benutzt) mit diversem Inhalt gehört dazu, eine Verlosung, eine persönliche Ansprache. Der Inhalt ist Zeitschriften, Gutscheine, Cremes und Warenproben. Essen wird auch im Kino serviert und es ist ein ständiges raus und rein gerenne. Water for Elefants war der Film und es wird am Ende Beifall geklatscht.

Welli Windgradmesser

kein Bubbly sondern Fruchtsaft

Embassy Kino

1 Kommentar:

  1. Hallo Christine, sehr interessanter Bericht ueber windy Welli und das Weinbaugebiet.
    Mary Stewart ist natuerlich keine Oper sondern ein Buehnenstueck - der George Henare ist kein Opern Singer wie mir etwas spaet eingefallen ist. Hat eine ganz tolle Kritik in the "local rag". Hoffentlich hast du schoenes Wetter fuer deine Weiterreise ich werde weiterhin deine Berichte lesen. Viel Spass, schoene Abenteuer, Gruesse Herta

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