Montag, 25. April 2011

Dunedin

In Dunedin (gälisch, nach Edinburgh benannt, 120.000 EW) werde ich von Beryl und Geoff Lee (ein schottischer Name) vom Bus abgeholt, sie sind meine Servas Gastgeber für die nächsten drei Tage. Das charmante alte Haus in einem verwunschenen Garten ist bezaubernd. Bleiglastüren, überall –typisch englisch – Kamine und eine funktionale Küche mit Blick auf den Garten. Ein Stadtbummel am Nachmittag gibt den ersten Überblick über die schönste Stadt in NZ. An der Otago Bay gelegen zieht sich die Stadt die Hügel hinauf. Universitätsstadt mit 20.000 Studenten, den dazu gehörenden Kneipen und Shops. Was ich nicht finde ist ein Brot oder Semmeln aus denen man Knödelbrot machen kann. Ich soll ein Kochrezept besteuern und ich werde gleich selbst kochen. Semmelknödel mit Schwammerlsoße und Apfelstrudel von den vielen Äpfeln im Garten. Letztendlich nehmen wir ein Dinkelvollkorn weil alles andere ist fluffy Wattebausch und würde sich mit Flüßigkeit in nichts auflösen. Geoff backt selber Brot mit Sauerteig und ich genieße mal wieder richtiges rösches, gutes, festes Brot.
Viele Gebäude im Edwardian Stil (Anklänge an flämische Renaissance), der Bahnhof (der schönste der Welt) mit Porzellan Mosaik auf dem Fußboden. Ein Oktagon Platz als Stadtmittelpunkt. Der schottische Nationaldichter Robert Burns sitzt vor dem Rathaus, im Rücken die Kirche und vor sich den Pub. Eine Art Gallery, ein interessantes Museum (schöne Maori Sammlung) mit Schmetterlingsgehege und einem Moeraki Boulder (Erklärung kommt) vor dem Eingang. Museen sind kostenlos! Die Stadt hat ein vieles an Erstem und Einzigem in NZ: Erstes Kühlschiff nach Europa, erste Uni, einziges Schloß (sogar mit Geist) Larnach Castle eher ein Mansion, eigener Tartan außerhalb Schottlands, Telefon, Trambahn, Fernbus, Zeitung, höhere Mädchen Schule, Kindergarten, Gaslaternen,  Kühlhaus, Kunstgalerie, Justitia ohne Augenbinde und die Cadbury Schokoladenfabrik. Das allerwitzigste ist die “steilste Straße der Welt“. Die Baldwin Street hat im oberen Teil 38 % Steigung oder Gefälle. Am verkehrsberuhigten Good Friday (Karfreitag) der hier auch Feiertag ist sogar die 24 Stunden Supermärkte haben geschlossen, tummeln sich hier die Touristen. Manche legen sich für ein Foto auf die Straße andere fahren mutig mit dem Auto hoch. Parken tut hier keiner.

Meine Gastgeber wohnen unter dem Meeresspiegel hinter einem Deich auf aufgefülltem Land. Die Aussicht von der Deichkrone auf die Wellen die sich am Ufer brechen ist atemberaubend und wir erkunden die Umgebung radelnd. Helm ist hier Pflicht. An der Bay entlang mit Blick auf die Stadt, die sich die Hügel hinauf ausdehnt. Deutliche Gezeiten, Hafen Atmosphäre vor hohen Bergen.
Abendessen stilvoll im Esszimmer mit Kapuzinerkresse, Borretschblüten und Ringelblume auf Salat (wie bei mir Zuhause) oder gemütlich an der Theke in der Küche. Ich sammle NZ Kochrezepte und wir ziehen Strudelteig aus und die Semmelknödel sind eher fest. Aber sie zerfallen nicht. Ich werde kulinarisch vom Feinsten verwöhnt, z. B. mit hausgemachter Quittenpaste die zu Käse gegessen wird. Auch mit Brot (in der Ferne merkt man erst wie gut unser Brot ist), Mangold, Pie, Schoko Merengen und mit einem Auflauf von „schwarzen“ Pfirsichen. Sie sehen außen aus wie unsere Weinbergpfirsiche, werden mit Schale verwendet und sind nach dem Backen schwarz. Und schmecken würzig, vollfruchtig einfach g`schmackig. (Sabine probier’s doch mal?). Die Reste esse ich noch zum Frühstück. Ich bekomme alle meine Fragen beantwortet, die sich mir hier so gestellt haben. Abends ein gemütliches Kaminfeuer – denn es ist ganz schön frisch – und eine Heizdecke im riesigen Bett. 5 Sterne First Class Luxus pur…….

Beryl Geoff Lee

der Bahnhof

Badwin die steilste Straße

Samstag, 23. April 2011

Milford Sound



Fälschlicherweise so genannt denn eigentlich ist es ein Fjord kein Sund. Denn Gletscher haben die Wasserarme entstehen lassen. Unterwasser (auch über dem Wasser als Überbleibsel der letzten Eiszeit an der Bergformationen gut sichtbar) von Gletschern hinausgeschobene Seen an deren Ende die Moränen liegen, die aber unter Wasser sind. So kann ein Fjord durchaus 400 m tief sein, der Moränenhügel der zum Meer hin abschließt aber nur 80 m. Für uns siehts nach blauem Wasser aus.

Die Hochalpine Straße führt an besonders schönen Plätzen vorbei und der Busfahrer macht jeweils einen Stop.  Seen, Wälder, Wasserfälle, Plateaus, Schluchten Ortschaften wie Te Anou am Doubt Sound. Unser Busfahrer grüßt mit einer schüttelnden Handbewegung jeden größeren Fahrzeug Fahrer, vor weiblichen Busfahrerinnen zieht er sein Käppi. Es gibt eine Schutzgegend für das rote Tussock Gras das ursprünglich hier wuchs und durch Rodung und Aussaat von unserem Weidengras verdrängt wurde. Rinder hätten es nicht, Schafe hätten es gefressen aber pro Schaf wäre die Weide Fläche größer geworden. Diese Straße verschlingt in NZ die größte Summe an Unterhalt und ist jetzt ganzjährig befahrbar. Problem sind Lawinen aus Schnee, Geröll und „Bäumen“. Die kahlen Felsen werden erst von Flechten, dann von Moos bewachsen. Darin können die Samen der Bäume keimen und wachsen. So entsteht ein Geflecht das einigermaßen haltbar ist aber Stürmen bis 200 km/h und schwerem Schnee nichts entgegensetzen kann.  Dann gehen riesige Lawinen über die Straße. Es wachsen kleinblättrige Rot-, Silber-, und Schwarzbuchen, Baumfarne und (Cabbage) Krautbaum und andere des kühlgemäßigten Regenwalds. Die Rinde ist nicht sichtbar weil total mit Moos und Epiphyten zugewachsen.
Die Straße wurde in den 30igerJahren während einer Depressionsphase von „Hand“, (da haben wir doch ein Äquivalent dazu) unter schlechten Bedingungen gebaut. Es wurde das ganze Jahr hindurch gearbeitet und die Unterkünfte und Verpflegung waren nicht die Besten. Ein Teil des Geldes ging direkt zu den Familien nach Hause. Der 1270 m lange Homer Tunnel war das Schwierigste, er ist auch heute noch einspurig und es gibt Wartezeiten bis zu 15 Minuten. Der Postbote der das Hotel am Ende des Milford Tracks (bereits im 19. Jhrt.) im Sound beliefern mußte, konnte vorher nur mit abseilen – auch wenn die Pakete großwaren - nach unten kommen. Ich habe das Schiff „Wanderer“ gebucht und wir fahren sofort raus, am markantesten Berg dem Mitre Point vorbei, der die hohe aufgerichtete Form einer Mitra hat und danach benannt ist. Die Maori nannten den Berg auch nach einem männlichen Machtsymbol das aber nicht auf dem Kopf ist. In einer Bucht wird geankert und nun ist Speedboot-, Kajakfahren und schwimmen angesagt. Ich habe doch tatsächlich meinen Badeanzug vergessen!!!!! Sicher nicht, weil es in der Frühe leicht geschneit hat. Ich schaue traurig zu wie ein paar mutige vom obersten Deck ins Wasser springen. Das Wasser hat die Farbe von Tee (durch die Tannine der Bäume) und schwimmt auf dem Salzwasser. Diese 2-3m Süßwasserlinse fungiert als Lichtfilter, somit können Meerestiere der Tiefe viel weiter oben leben (10 m Fjordtiefe ist 70 m Küstentiefe). Leider kann das Unterwasserobservatorium nicht besucht werden (mit denen habe ich kein Glück in NZ). Entschädigend ist Schweinebraten mit Kruste und Apfelsoße eher Mus und bald in die kleine Koje. Früh raus zum opulenten „cooked“ Breakfast was Eier, Würstel, Schinken und Tomate heißt. Raus aus dem Fjord, an großen grünen Steinen der Anita Bay und an einem modernen kleinen Solar Leuchtfeuer (die alte Romantik eines Turms geht dabei verloren) vorbei in die rauhe Tasmansee. Capitän Cook war hier, ist aber nicht weiter vorgedrungen. An Seebären vorbei, unter dem Stirling Wasserfall (155 m) durch bis uns echte Delfine mit kurzen gedrungenen Schnäbeln begleiten. Sie tauchen auf, blasen Wasserfontänen hoch und springen mit einem vollendeten Bogen wieder ins Wasser. Mensch und Tier haben Spaß daran.
Im Fjord darf nicht gefischt werden, aber draußen in der Tasman See und da hauptsächlich Lobster. Um den Preis zu regulieren wird der Fang in sehr kaltem Wasser in einer Art Winterschlaf gehalten und zu Hochpreiszeiten z.B. an Weihnachten teuer verkauft.

Eine der mehreren Maori Legenden: Ein Häuptling wurde von seinen „drei“ Frauen verlassen. Eine fand er versteinert in der Anita Bay wo er Tränen vergoß. Die durchdrängten den Stein bildeten Flecken die den Stein aufhellten. 

Spiegelung

Mitre Point

auf dem Speedboot

Wakatipi See

Dampfschiff
Frisbee Korb

Manata die schöne im See

Queenstown einst durch den Shotover River pulsierende Goldgräbermetropole, den weltweit ertragsreichsten Goldfluß. Dann verlassen und vergessen (180 EW), aber durch den Tourismus steppt jetzt hier wieder der Bär. Alles was den Adrenalinspiegel hoch treibt und gemütlicheres ist hier machbar. Zu jeder Jahreszeit läßt es sich hier länger aushalten. Zu den ca. 9.000 Einwohnern kommen 1,8 Mio Besucher pro Jahr und bevölkern unzählige Appartments mit Seeblick am Ufer des Sees. Einige Skibegebiete, Wanderwege von leicht und kurz bis schwer und mehrtägige Tracks. Mit dem Boot kann man sich an den jeweiligen Ausgangsort bringen lassen und irgend wo anders wieder abholen lassen. Straßen rings rum gibt es nicht. Eine Farm liegt an einer Bucht und ist vollkommen autark. Der Viehabtrieb findet nur mit Boot statt.
Aber die Hauptattraktion ist Bungy, das hier seinen kommerziellen Anfang fand. Abgekupfert von einem Initiationsritus junger Männer, auf Vanuatu (alt Pentecote) einer Pazifikinsel der neuen Hebriden, die an Lianen gebunden von Holztürmen in die Tiefe sprangen. Der Oxford Dangerous Sports Club versuchte es mal, aber der NZ Länder AJ Hackett erkannte das Sucht Potential für die Spaß Gesellschaft, sprang spektakulär vom Eiffelturm und eröffnete hier die erste professionelle Anlage, die heute noch –in vielen neuen Varianten –prosperierend betrieben wird.

Tandemspringen, Paragliding, Flightseeing, Canyoing, Sky Swing, Abseiling (heißt wirklich so), Rafting durch Tunnel, Wildwasserkajak, Floß-,  und Jetbootfahren. Einem hiesigen Erfinder hat es gestunken wenn die Flüße zu wenig Wasser hatten und mit dem Boot nicht weitergefahren werden konnte. Er hat einen Antrieb erfunden der mit einem Jetstrahl mit ganz wenig Wasser die Möglichkeit schafft über das Flußbett zu rauschen. Der Antrieb wird heute Weltweit genutzt, er starb steinreich. Wem das noch nicht reicht, Casino´s gibt es auch noch. Weinproben auch, die teuerste Flasche hab ich mit so mit 400 Euro ausgemacht.

Jeder zweite Laden im Ort ist ein Sport-, oder Outdoorgeschäft, die andere Hälfte Souvenirladen und jedwede Gastronomie. Essen von Bluff Austern (obwohl das Meer weit ist) und Fisch & Chips, Siamesisch, indisch, türkisch, italienisch und die üblichen Ketten. Draußen gibt es – obwohl es kalt ist – Tische und die Schirme drüber haben eingebaute Heizstrahler. Ein hundertjähriges Dampfschiff die TSS Earnslaw (twin screw steamer) das die Goldgräber und die Schafe (1000 Personen, 1500 Schafe) transportierte fährt über den See zu anderen kleinen Gemeinden und zur Dampfeisenahn. Eine Gondola (man kann mit Schlitten auf Rädern runter rasen) fährt auf einen Berg mit Blick runter zum Bogenförmigen See mit einigen alten kleinen Gebäuden aus der Kolonialzeit und dem mit riesen großen Bäumen bestückten botanischen Garten. Hier wird auch die nächste Erfindung (nach Bungy) gespielt, nämlich „Frisbee Golf“. Es sind Behälter aufgestellt in denen die Frisbeescheibe  versenkt werden muß. Es gibt einen Parcour mit Abspielplätzen der auch stark frequentiert wird. Auf einem fahrbarem Klavier werden an der Uferpromenade/Esplanade Eigenkompositionen dargeboten und die CD`s dazu verkauft. Ein Unterwasser Observatorium hat immer geschlossen, wenn ich rein will.

Der See ist mit 80 km der längste und 3-5 km breit. Er hebt und senkt sich im 5 Minuten Rhythmus das Wissenschaftler als Seiche oder stehende Welle erklären (Oszillation). Die Maori erkannten das Phänomen und haben dazu Legenden (ich lese oder höre zu jedem Platz immer mehrere Geschichten?), die natürlich wieder schaurig schön sind. Schöne Prinzessin muß ungeliebten Prinz heiraten, liebt aber einen anderen und nach vielen Entführungen, Verfolgungsjagden und Verwicklungen sind sie jetzt auf dem Seegrund vereint und das Herz schlägt gemeinsam und bewegt den See. Die zweite Variante ist, dass das Herz eines bösen Riesen im See pocht, der zwei Liebende verfolgt hat und sie nicht trennen konnte.




Dienstag, 19. April 2011

Nach Queenstown

Es regnet immer noch und ich bin schon nass bis ich bei der Bushaltestelle bin. Wir fahren wieder Richtung Meer. Überqueren die längste –immer einspurig – Brücke mit mehreren Ausweichstellen. Fahren dann über den Haast Pass und die Bergszenerie ist vor und nach dem Pass total unterschiedlich. Zum Pass hin sind alle Berge bewachsen, kein Fels schaut raus und alles ist mit Moos, Flechten in allen Farben bis hin zum rot überzogen. Es gibt Lachsfarmen, Wasserfälle, saftige Weiden mit Damwild. Seen und Bachläufe einer schöner wie der andere. Hier wurde auch die
Chroniken von Narnia gedreht. Kein Strom und nichts. Vom Generator an mußte alles mitgebracht werden und auch wieder abgeräumt, es ist wirklich nicht erkennbar, dass hier ein Film gedreht worden ist. Auf der anderen Seite dann eher kahle Hügel und Schafe. Die Merino´s sehen im hohen Gras - das nicht mehr so grün ist - durch ihre kurzen Beine wie weiße Wolken aus. Hier wird angebaut was vom rauen Klima gar nicht geeignet scheint. Wein und alles nur erdenkliche Obst, notfalls mit Frostschutz. Farmersmärkte an der Straße mit einem überwältigenden Angebot. Nicht nur frisch, sondern getrocknet und zu allem möglichem weiter verarbeitet. Wirklich einfallsreich. Was mir im April so komisch (die Berichte von meinem Garten sind die Frühlingsboten) vorkommt ist, daß es Herbst ist. Die Bäume färben sich und sie sind hier häufiger wie die immergrünen. Das ist „Indian Summer“. Besonders eine Pinien Eiche, die knallrote Blätter bekommt. Auch Lärchen, Weiden, Ahorn und Pappeln färben sich bunt. Maroni`s sind kurz vor dem Reifen. Kleine historische Goldgräberstädtchen (die Stollen sind an der Straße entlang zu sehen) an schönen Seen, da blüht der Tourismus. Am grünen, rauschenden, sich durch enge Passagen (Klamm) gurgelnden Shotover River fahren wir Queenstown entgegen. An der Brücke wo 1988 der erste Bungee Sprung stattgefunden hat, stehen immer noch Wagemutige zum Absprung bereit. Wir erreichen Queenstown am Lake Wakatipu, ein Ort wie Prien am Chiemsee nur nicht so Kurort mäßig. Meine JH ist direkt am See und vom Fenster aus sehe ich die Wellen.

Toilettentüren unterwegs

Ewes

Rams and Ewes

Yammi


Sonntag, 17. April 2011

Am Fox Glacier

Die ganze Nacht höre ich den Regen prasseln, am Morgen scheint die Sonne. Einen Helikopterflug gebucht. Manchmal ist alleine reisen schlecht jetzt auch gut, weil ich sofort mit einer Gruppe Thailänder fliegen kann. Instruktionen anhören wie: g`scheite Schuhe (gestern waren Jugendliche mit FlipFlops und kurzen Hosen – bei Regen – zum Gletscher unterwegs), keine losen Teile, warme Jacke, keine Taschen. Sonnenrille, Fotoapparat. Wir werden gewogen und mit einem Shuttle zum Start gebracht. Einsteigen, anschnallen und Ohrschutz aufsetzen. Es ist mein zweiter Heliflug. Wir fliegen in Richtung Berge dem Mt. Cook und dem Mt. Tasman entgegen. Der Cook ist mit 3755 m über dem – so nahen Meeresspiegel – der höchste Neuseeländer Berg. Die Maori nennen den Cook Wolkenkratzer „Aoraki“ und es ist ein schöner spitzer Gipfelstein, während der Tasman eine Schneewähe ist. Sir „Ed“ Hillary hat am Cook mit Tenzing Norgay für den Everest geübt.
Wir fliegen über blaues Eis, Eisschrunde und Spalten und landen sanft auf dem Gletscher. Der Boden ist Harsch und Firn, es hat lange nicht geschneit, auch gestern hat es hier oben geregnet. Schnee kommt erst im Winter, jetzt ist Herbst. Als ich den Mont Blanc mit Skiern runtergefahren bin, hat mich am meisten das knacken des Eises in der Stille beeindruckt. Hier knackt nix, die Rotorblätter sind ausgeschaltet, die Sonne scheint und die Thais müssen ganz viele Gruppenfotos machen.
Wir fliegen über die Gletscherzunge runter dem grünen Land entgegen. Viel, viel zu kurz. Ich bekomme gleich den Shuttle und fahre an den Lake Matheson den ich umrunden möchte. Ein Todeisloch gegenüber den Bergen. Die berühmten Fotos, wo sich der Cook im Wasser spiegelt, gelingt deshalb nicht perfekt, weil sich Wolken bilden und der See gekräuselt ist. Am Pokhara See mit dem Anapurna ging es mir so ähnlich. (Birgit erinnerst du dich?) Der Regenwald ist eine Komposition aus vielfältigem grün und kleine Früchte in weiß, lila, orange, rot und blau sind die klitzekleinen Farbtupfer. Die Vögel sind nicht scheu und der Fantail (kann der Fächerschwanz heissen?) hüpft vor meiner Nase rum und fächert wippend mit seinen Schwanzfedern. Mein Shuttle holt mich wieder ab, ich esse einen leckeren home made Lamm Hamburger mit Ranen (Rote Rüben) und es fängt wieder an zu schütten. Ich habe Wifi und buche meine nächsten Bus-, Schiffsfahrten und Unterkünfte.
Sag dem Abenteuer ich komme…….

Fox Glacier

Mt Tasman und Cook vom Lake Matheson

Erdbeben

In Christchurch gab es ein Nachbeben der Stärke 5. Bei 4 merkt man noch nichts wurde mir hier gesagt. Obwohl Bekannte in der Nähe von Christchurch schon sehr erschrocken sind.
Ich bin in Queenstown, weit entfernt.

Samstag, 16. April 2011

Zum Franz Josef Glacier

Ich hab mir für NZ ein InterCity Busticket gekauft. 60 Stunden Bus oder Fähre fahren, reservieren, abbuchen über das Internet. Die Buchung fand ich umständlich und mir ist auch bei der ersten Buchung ein Datums-Fehler unterlaufen. Ich versäume fast den Bus und als ich einchecken will, hat mich der Fahrer nicht auf der Liste. Ich kann aber trotzdem mit (ich hab ja gebucht, für den nächsten Tag). Wir fahren die Küste entlang, in Richtung Süden, dem Regenwald und den Gletschern entgegen über einspurige Brücken die über großflächige Meeres Zuflüße mit wenig Wasser und großen Kies- und Sandflächen führen. Saftige Wiesen, Milchkühe auf der Weide die an mobilen Melkständen ihre Milch loswerden, aber keine Kuh mit einem europäischen Turbo Euter. Wir kommen durch nette Orte wie Hokitika (mit Stop zum Cityrundgang), HariHari, Ross und Whataroa. Rechts das Meer und links undurchdringbarer Regenwald. Goldgewinnung gibt es noch. Ein Farmer baut ab, siebt und füllt und pflanzt wieder auf. Scheint noch rentabel zu sein.
Dann biegen wir – vor Haast - ins Landesinnere ab zum Franz Josefs-, und Fox Gletscher. Der Deutsche Gletscherforscher Haast gab ihm den Namen des K. und K. Monarchie Kaisers (seinem Freund zum Gefallen der Österreicher war). Der Kaiser schickte dankbar ein paar Gemsen um die Jagd europäischer gestalten zu können. Die Info hatte ich aus einem Besuch (erinnerst du dich Elke?)in Ischl, und er wurde hier bestätigt. Die meisten haben den Schiffstransport nicht lebend überstanden aber die wenigen vermehren sich in NZ „zu“ stark. Während sie in Europa ernsthaft zurückgehen. Wir können ja wieder re-importieren.
Während der letzten Eiszeit - vor 10 bis 15000 Jahren - flossen beide Gletscher durch den Regenwald ins Meer und küssten die Wellen der Tasman Sea. Ein Gletscher der letzten Eiszeit, der oben beschneit wird und von Schnee zu Firn und dann zu Eis verdichtet wird und langsam nach unten über Geröll rutscht und abschmilzt. Ein 1943 oben abgestürztes Flugzeug kam 6,5 Jahre später unten an. Seit 1985 verringert sich der Abstand zum Meer jeden Tag um 70 cm und ist jetzt schon fast 25 km vom Meer entfernt. Der Regenfall hier ist hier zehnmal so viel wie in London.
Der Flußlauf muß ständig ausgebaggert werden, weil der Gletscher so viel Geschiebe bringt, dass die Fahrbahn der Brücke schon fast im Wasser ist. Vor 25 Jahren flogen die Hubschrauber zum Spaß noch unter der Brücke durch. Das kennen wir auch von der Tiroler Ache, die uns den Chiemsee zuschiebt.

Die Gletscher Entstehungsgeschichte der Maori ist voll tragischer Poesie. Ein Maori Mädchen liebte das Klettern und sie ging mit ihrem Liebhaber in die Berge und er stürzte ab. Der Franz Josef Gletscher sind ihre gefrorenen Tränen und der Fox das Todesbett ihres Geliebten.

Ich habe mich für den großen Helikopterflug angemeldet aber erst sind es nicht genug Leute, dann springt einer ab und dann regnet es. Während ich warten muß gehe ich ins Gletschermuseum und zu den Kiwi’s. Es wurde erst noch eine neue Spezies gefunden der Iwi Kiwi. Das NZ Wappentier ist stark gefährdet und ist geschützt und wird beim Brüten unterstützt. Z.B. wird das einzelne Ei (er legt nur ein großes jährlich) eingesammelt und ausgebrütet. Er hat keine Abwehrstrategie gegen die eingeschleppten Tiere wie Hunde, Katzen, Iltis, Marder und Fuchs. Er kann nicht fliegen und ist Bodenbrüter. Er ist nachtaktiv und sehr scheu und deshalb in freier Wildbahn kaum zu sehen. Im Aufzuchtgehege ist Nacht, ich muß mich an die Dunkelheit erst gewöhnen, dann sehe ich welche ständig mit ihrem langen Schnabel in der Erde rumstochern. Wenn ein Same vom Baum fällt hört ihn die Eule, der Hirsch sieht ihn und der Kiwi riecht ihn.

Auch der nächste Tag ist verregnet und ich marschiere (es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung) zum Gletscherrand. Der Weg ist markiert und endet an sicherer Stelle nachdem Touristen die zu nahe waren, getötet wurden. Es ist wie unser Schwarzachengrieß nur größer. Statt Alpenblumen gibt es Moose, Farne und Flechten.
Abends fahre ich bei strömenden Regen die 25 km zum Fox Gletscher weiter.

tägliche Info´s zum Gletscher

der letzte Abbruch des Gletschers